Von Martin Lohmann, erschienen im Berliner Tagesspiegel vom 15. Februar 2009

Die deutschen Klischees über den Papst sind üble Verzerrungen. Denn Joseph Ratzinger ist ein Mann der Versöhnung.

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Wir waren Papst – Von der deutschen Lust an alten Zerrbildern

Von Martin Lohmann

Joseph Ratzinger war in Deutschland nie wirklich beliebt. Jedenfalls nicht in der veröffentlichten Meinung. Irgendwie war man froh, dass er weit weg in Rom gelandet war. Obwohl: Er hatte für viele zu viel Einfluss unter Johannes Paul II. Seine genaue Theologie, seine präzise Intellektualität und seine Fähigkeit, falsche Entwicklungen unabhängig von ihrer süßen Anziehungskraft zu erkennen und zu markieren, störten. Selbst seine letzte Predigt als Kardinal irritierte, als er vor der Diktatur des Relativismus warnte und der Wahrheit, die mittels der Vernunft erkennbar sei, eine neue Chance reklamierte.

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